Juliane Spitta per E-Mail:

"ja, ich kannte clown waudi. von etwa 1966 an, wo er in meinem kindergarten auftrat. natürlich waldorf. und wo er dinge tat, für die wir bestraft wurden: so furzte er z.b. laut und mit ausgestelltem hinterteil. je verkniffner die betreuer dreinblickten, desto häufiger mimte er den furz. Zu schade, dass sie den wink nicht verstanden. was wäre das für ein Spaß gewesen! Und er hätte sich einen neuen dauerwitz überlegen dürfen. das war großartig, jawoll, irre komisch. auch sagte er mal ein kraftwort, mein ich - wofür wir mit salzwasser gurgeln mussten und die böse kröte auf den kompost spucken. in diesem ambiente war clown waudi eine wucht und dabei war er so poetisch, so lieb und fein und zauberhaft wie ein wesen aus einer anderen welt - vielleicht direkt aus der kinderseele, die keine unterschiede macht zwischen der welt der körper (wozu das furzen gehört) und der welt der märchen, lichter und lieder. bei clown waudi gab es keine scham und keine schuld. vielleicht war es das, was ich als kind fühlte und mich nährte in dem gefühl menschlich zu sein. also körper haben, gefühle, emotionen. menschlich sein heisst fehler machen dürfen und nicht perfekt sein müssen. es heisst mit haut und haar zu lieben und zu leben. irgendwie sowas. aber genauso war er. wie jedes kind.

in den kindergärten und schulen durfte er dann lange zeit nicht mehr auftreten, aber 1982 traf ich ihn wieder in wien. damals war ich selbst clownine. machte einen workshop bei ihm und half ihm dann eine woche rund um seine auftritte in und um wien. unsäglich komische situationen gab es da, und immer noch entzückte er die kinder und entsetzte ihre betreuer mit: furzen. natürlich keinen echten, nur so mit mit luft und lippen so getan als ob furzen. also wirklich echt nix schlimmes. nur dass die kinder dem märchen und dem wauwaudeli dann noch andächtiger folgen konnten, die erwachsenen jedoch oftmals nicht mehr richtig. die sahen ganz verkniffen aus.

ja, ich habe ihn geliebt und verehrt und bedaure zutiefst, dass ich den kontakt nicht hielt. aber das hat gar nichts mit ihm zu tun."